Littfelder Aussichten

Aussicht Krähenberg

Windenergieanlage Ewiger Fuhrmann

Besonderheiten:
Die Windenergieanlage „Ewiger Fuhrmann“ war die erste Windenergieanlage, die auf einem Waldstandort errichtet wurde. Sie war, als sie im Jahr 2000 errichtet wurde, die höchste Windenergieanlage der Welt.
Ihre Stahlfachwerkturm („Gitterturm“) ermöglicht die Realisierung großer Bauhöhen bei hohen statischen Festigkeitsreserven und vertretbaren Kosten. Große Nabenhöhen sind im Mittelgebirgsraum erforderlich, da sich die Rotorkreisfläche oberhalb der durch die hohe Geländerauhigkeit verursachten turbulenten Windströmung befinden muss.
Die hohe Stabilität ermöglichte erstmals ein Verfahren, die 65 t schwere Maschinengondel der Anlage ohne Kran,mit Hilfe eines vorübergehend auf dem Turm angebrachten Montagegerüstes und am Boden befindlicher Seilwinden zu montieren. So konnte auf dem beengten Waldstandort mit einem sehr geringem Flächenverbrauch gebaut werden.

Ertrag: 2,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr – das entspricht dem Jahresverbrauch von ca. 700 4–Personen – Haushalten.

Umweltnutzen: Würde die gleiche Energiemenge durch fossile Energieträger (Öl, Kohle, Gas) erzeugt, würden hierbei jährlich ca. 2200 to des klimaschädlichen CO2 freigesetzt.



interessante Einzelheiten:
Mit 150 Metern Höhe ist die Anlage sieben Meter niedriger als der Kölner Dom und mit 66 Metern Rotordurchmesser vier Meter schmaler als ein durchschnittliches Fussballfeld. Der Abstand der im Quadrat stehenden Eckstiele des Turmes beträgt am Boden 20,7 Meter.
Ein Aufzug führt zu einer Plattform in 100 Meter Höhe, die Fahrzeit beträgt 6 Minuten. Ab hier führt eine 15 Meter lange Leiter zur abschließbaren Einstiegsluke der Gondel. Hier oben erkennt man, dass die Flügelspitzen, die für den Betrachter am Boden fast die Eckstiele zu berühren scheinen, im Ruhezustand noch ca. 6 Meter vom Turm entfernt sind. Bei starkem Wind biegen sie sich allerdings einige Meter zum Turm hin.

Der Turm besteht aus feuerverzinkten Winkelprofilen, die durch über 8000 Schrauben miteinander verbunden sind. Das Gesamtgewicht des Turmes ohne Gondel und Fundamente beträgt etwa 145 Tonnen.
Der Fachwerkturm ist sehr biegesteif. In der sogenannten „Jahrhundertböe“, die statistisch nur einmal in 100 Jahren zu erwarten ist, wird der Turm ca. 50 cm schwanken. Das ist angesichts der Bauhöhe und des hohen Gondelgewichts sehr wenig.
Da Fachwerktürme sich jedoch relativ leicht verdrehen, kann man diese „Torsionsschwankung“ gelegentlich fühlen, wenn man sich im Turm oder der Maschinengondel aufhält. Die Ursache für eine Torsion kann eine den Rotor ungleichmäßig treffende Böe oder der Gegenimpuls der Maschinengondel sein, wenn diese von der Windnachführungsmechanik in den Wind gedreht wird.
Die Maschinengondel hat ohne Nabe eine Länge von 10 Meter, mit Nabe 14 Meter. Die Höhe beträgt 4,35 Meter und die Breite 3,40 m. Zusammen mit dem Rotor wiegt die Maschinengondel ca. 86 Tonnen.
Da die Windkräfte an den 32 Meter langen und je fast 4 Tonnen schweren Flügeln bei starkem Wind enorm sind, ist jeder Flügel mit 160 Schraubenbolzen mit der gusseisernen Nabe verschraubt. Bei jeder Umdrehung biegt sich ein Flügel aufgrund seines Gewichtes und seiner Elastizität mal zu der einen, dann wieder zu der anderen Seite etwas herunter. Diese Wechselbelastung muss das Blatt ca. 16 Millionen Mal pro Jahr aushalten.
Die 4 einzelnen Turm-Fundamente haben eine Größe von je 5,50 x 5,50 Meter und eine Höhe von 0,80 Meter. Sie befinden sich ca. 3 Meter unter der Erdoberfläche. Alle Fundamente zusammen enthalten ca. 100 m³ Beton.

Windenergieanlage Ewiger Fuhrmann II
Der „Ewiger Fuhrmann“ produziert nun schon seit 2000 Strom und nähert
sich dem Ende seiner technischen Lebensdauer. Daher soll die Windenergieanlage in den nächsten Jahren durch eine neue Anlage ersetzt werden.

Diese wird einige Meter weiter südlich aufgebaut werden, also aus Ihrer Blickrichtung etwas weiter links. Dieser neue „Ewige Fuhrmann II“ wir eine wesentlich leistungsfähigere Maschine sein und auch anders aussehen. Der Turm wird ein Stahlrohrtum sein, der Generator wird getriebelos und mit geringer Drehzahl direkt von Rotor angetrieben werden. Hierdurch wird der mechanische Verschleiß verringert.
Der Turm wird 175m hoch sein und der riesige Rotor einen Durchmesser von ebenfalls 175m haben. Dies entspricht genau der Grundfläche des Kolosseums in Rom. Mit diesem großen Rotor wird die neue Windenergieanlage ca. 20.000.000. Kilowattstunden sauberen Stroms erzeugen. Also etwa 8-mal mehr als die alte Windenergieanlage.


Warum heißt die Windenergieanlage „Ewiger Fuhrmann“
Entlang des Berges, auf dem heute die Windenergieanlagen stehen, verlief früher ein bedeutender Handelsweg. Fuhrleute – darunter die im ganzen Reich bekannten Bilsteiner Fuhrleute – transportierten Waren in das Siegerland und aus dem Siegerland. Besonders die Eisenwaren des ‚Eisenlandes‘ entlang der Sieg, die von hier aus in das gesamte „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ geliefert wurden, waren überall begehrt.


Die Sage berichtet, dass ein solcher Fuhrmann einst trotz aller Warnungen vor einem heraufziehenden Unwetter versuchte, von Littfeld aus über den Berg ‚ins Kölsche‘, also das benachbarte Sauerland, zu gelangen. In seinem Hochmut glaubte er, stärker als die Naturgewalten zu sein, Gottes Hilfe nicht zu brauchen und rief aus, dass ihm notfalls der Teufel über den Berg helfen werde.
Dies erwies sich als fataler Fehler: Als das Fuhrwerk im Schlamm stecken blieb und der jähzornige Mann seine Pferde blutig peitschte, fuhr er zur Strafe für seinen Frevel samt Gespann an Ort und Stelle zur Hölle.
In Gewitternächten soll er noch heute als ‚Ewiger Fuhrmann‘ über dem Berg spuken; der Blitz symbolisiert dabei seine Peitschenschnur, mit der er die armen Pferde schlug.

Günter Pulte, Ewiger Fuhrmann Windkraft